KI und wirtschaftliche Unsicherheit als wesentlicher Stressfaktor unserer Zeit
Stressquellen in unserer Gesellschaft
Psychologisch ist es wichtig, zu erleben, dass es voran geht, das man sich verbessern kann durch sein eigenes Handeln und Selbstwirksamkeit spürt.
In Deutschland lebend war es lange Zeit so, dass wir uns immer verbessert haben, immer im Fortschritt lebten. China überholte uns in den letzten Jahren. Überall fluten uns Meldungen, dass sich die Wirtschaft verschlechtert, rückläufig ist. Wir erfahren nun nicht mehr diesen Fortschritt, dass es aufwärts geht. Auch stehen keine Lösungen bereit, die uns schnell wieder Hoffnung fassen lassen. Die KI bringt Veränderungen und eine undurchschaubare Dynamik, nimmt uns Orientierung und damit Stabilität.
Schüttet diese Faktoren Stress aus?
Natürlich. Und zwar eine Menge! Wir machen uns berechtigt Sorgen. Um unsere Wirtschaft, unsere Arbeitsplätze, um unsere Lebensqualität. Ja und das lässt einen auch schlechter schlafen.
Diese allgegenwärtigen Sorgen können einen auch blockieren, erstarren lassen, Beim Einzelnen spricht die Verhaltenstherapie dann von Fusion. Die Sorge blockiert und erstarrt einen so sehr, dass man in diesem Zustand den Blick nicht mehr weiten kann und vorhandene Möglichkeiten nicht mehr wahrnimmt. Es bedarf Methoden, die einem aus diesem Zustand schnell wieder herausholen können. Dazu muss man diesen Zustand jedoch erst einmal bemerken.
Was unseren Wohlstand angeht, ist es verständlich, dass wir ihn als seinen gewohnten Referenzrahmen ansehen. Etwas zu verlieren fühlt sich oft schlimmer an, als etwas Gleichwertiges zu gewinnen sich gut anfühlt.
Im Buddhismus kennen wir den Begriff der Anhaftung. Dieses Anhaften / Festhalten wird als eine wichtige Ursache von Leiden gesehen. Wenn sich die Dinge verändern oder verloren gehen, entsteht Schmerz.
Das klingt alles sehr weise, aber leicht ist das nicht, dies in unserer Realität umzusetzen.
Ein Ansatz dazu stammt aus der Bhagavad Gita (Hinduismus). Man soll handeln, ohne an den Früchten seiner Handlung anzuhaften. Das bedeutet nicht, gleichgültig zu sein, sondern sein Glück nicht vollständig vom Ergebnis abhängig zu machen. Der Weg ist das Ziel.
Erstaunlicherweise beweisen uns wissenschaftliche Daten immer wieder, dass in ärmeren Ländern ohne Technologie und Wohlstand, die Menschen zufriedener sind als wir in Deutschland. Warum ist das so?
In technisch entwickelten Ländern quälen sich die Menschen mit sehr abstrakten Themen: Wir haben technische Systeme geschaffen, die uns das Lebern erleichtern sollten, die aber auch mit viel Zuwendung verbunden sind. Sie möchten einem Kollegen eine Nachricht senden aber das Laptop bootet nicht. Versicherungs- und Energiepreisvergleiche halten uns vom Leben fern. Diese Systeme isolieren uns, statt Zeit mit unseren Familien zu verbringen und Verbundenheit und soziale Zugehörigkeit zu spüren.
In ärmeren, weit abgeschiedenen Regionen geht es um weit weniger abstrakte Außenreize. Ihr System liegt näher an den natürlichen Bedürfnissen. Die lebensnahen Fragen sind: Nahrung, Wasser, ein Dach übern dem Kopf und vor allem soziale Interaktionen. Menschen mit denen sie sich austauschen, gemeinsam leben und füreinander sorgen. Das schafft Verbundenheit, Wertschätzung, Integration und gibt Halt. Wir sind Gruppenmenschen und eines der wichtigsten Bedürfnisse ist wahrgenommen und angenommen zu werden.
Inneres Bewusstsein versus äußeres Bewusstsein
Menschen in ärmeren, naturverbundeneren Regionen sind mehr bei sich selbst, im Hier und Jetzt. Sie sind mehr mit ihrem inneren Bewusstsein verbunden.
In unsere komplexen und hoch technologisierten Welt kreisen unsere Gedanken viel mehr um Zukunft und Vergangenheit, in dem wir der Vergangenheit nachtrauern oder uns Sorgen vor der Zukunft machen. Wir sind in unserer dynamischen Arbeitswelt viel mehr Fremdbestimmt, leben in ständigen Zeit- und Konsequenzdruck und verlieren damit viel schneller den Zugang zu unserem Inneren Bewusstsein.
Das ständige Reize verarbeiten, Multitasking und Anpassen an die dynamische Umwelt kostet unheimlich viel Energie. Das Funktionieren in dieser hektischen und anspruchsvollen Welt lässt unsere Selbst in Vergessenheit geraten. Es kommt darin einfach zu kurz. Wir leben damit “außerhalb von uns” und damit nicht in gesunder Selbstverbindung. Das führt zu Erschöpfung, Innerer Leere, Nicht abschalten Können, sehr schlechtem Schlaf bis hin zu Burnout, Depressionen und psychosomatischen Krankheiten.
Wenn die Seele nicht hört, spricht der Körper - laut & deutlich.
Unser gemeinsames Ziel
Natürlich ist es nicht die Lösung, wieder in ein System von abgeschiedenen und armen Regionen zurück zu kehren. Und wir können unseren Berufsalltag nicht komplett auf unsere Bedürfnisse anpassen.
Aber vielleicht ist es eine Überlegung wert, einen Ausgleich in unserem Privatleben zu schaffen, um eine Balance zu finden. Was nährt uns wirklich? Was sind meine Werte? Unser Ziel sollte es sein, unserer abstrakten, dynamischen und anspruchsvollen Berufswelt etwas entgegensetzen zu können, um wieder bei uns selbst anzukommen.